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Chromatarmer Zement

Ausgangslage
Jährlich werden in Deutschland 35 Millionen Tonnen Zement verwendet. Das im Zement enthaltene Chromat kann dabei allergische Kontaktekzeme auslösen. In den letzten Jahrzehnten erkrankten jährlich bis 400 Beschäftigte neu an dieser zementbedingten Hautkrankheit. Für die technischen Eigenschaften des Zementes ist das Chromat allerdings ohne Bedeutung; es kann durch Zugabe eines Reduktionsmittels relativ einfach unschädlich gemacht werden.

Präventionsaktivitäten
Auf nachdrückliches Betreiben der Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft konnte erreicht werden, dass ab dem Jahr 2000 flächendeckend in Deutschland nur noch chromatarme Sackzementware verfügbar war. Diese Brancheninitiative setzte eine Entwicklung in Gang, die ihren erfolgreichen Abschluss in weitergehenden Vorgaben auf europäischer Ebene fand. Die Arbeitsschützer trugen dabei ihre Argumente so überzeugend vor, dass der Rat der Europäischen Union am 19. Mai 2003 den endgültigen Schlussstrich unter das Thema zog. Ab Januar 2005 darf in ganz Europa nur noch chromatarmer Zement verkauft oder verwendet werden. Neben der Etablierung dieses Zementes haben die Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft mit der Förderung der Akzeptanz von geeigneten Schutzhandschuhen - in diesem Fall nitrilgetränkte Baumwollhandschuhe - eine wesentliche Präventionsvorgabe gemacht.

Ergebnisse und Nutzen
Nach Reduzierung des Chromatgehaltes nicht nur in Sackzementen, sondern auch in vielen Bereichen zementhaltiger Produkte wie Mörtel und Fliesenkleber, ist die Zahl der Erkrankten von 429 im Jahre 1998 auf 243 im Jahre 2003 zurückgegangen. Von 1986 bis 1998 sind die Kosten für Renten und Rehabilitation für Kontaktekzeme um 180 % gestiegen. Nach der Einführung chromatarmer Zemente gingen die Entschädigungsleistungen der Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft in diesem Bereich bisher schon um knapp 10 % auf 15,5 Millionen Euro im Jahre 2003 zurück, obwohl in diesem Zeitraum generell die Kosten für Renten- und Rehabilitationsleistungen gestiegen sind. Mit zunehmender Einsatzzeit der chromatarmen Zemente wird ein noch wesentlich höheres Einsparvolumen erwartet. Bei unverminderter Rentenzahlung und nach wie vor gesicherter beruflicher Rehabilitation konnte mit dieser Präventionsmaßnahme ein weiteres Ansteigen von Mitgliedsbeiträgen verhindert werden. Dieses Beispiel verdeutlicht das hohe Niveau der Präventionsaktivitäten bei den Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft. Auch aus diesem Grunde wurde GISBAU daher mit dem "Good Practice Award 2003" der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ausgezeichnet.